Kommentar der Woche: Das Land muss den wirklichen Bildungsaufbruch wagen!

Politik

3. März 2008

Das Frühjahr naht und im Land beginnt wieder, wie jedes Jahr um diese Zeit, die große Sortiererei. Viele Kinder werden auf den letzten Drücker zu Höchstleistungen angespornt und mit Nachhilfe überzogen. Denn die Grundschulempfehlung steht ins Haus. Das Label „Empfehlung“ ist ein Witz. Hier in Baden-Württemberg wird Eltern nicht empfohlen, die Grundschulempfehlung ist im Gegensatz zu den meisten Bundesländern bei uns verbindlich. Und von dieser „Empfehlung“ hängt viel für die Kinder ab, häufig ihre Zukunft.

Die Konservativen, die sonst bei jeder Gelegenheit unzulässige staatliche Einflussnahme auf den Elternwillen wittern, (zum Beispiel wenn der Staat Ganztagsbetreuungsangebote für Kinder unter drei Jahren organisiert), verfahren hier mit dem Elternwillen nicht gerade zimperlich. Er wird einfach überfahren, zumindest, wenn es um den Zugang zur „höheren“ Bildung in Realschulen und Gymnasien geht. Die hohen Herren in Stuttgart, die nicht müde werden die herausragende Qualität unserer Hauptschulen zu loben, (aber ihre Kinder wohl kaum auf dieselbe schicken), haben Angst vor dem Elternwillen. Der Dauerpatient „Hauptschule“ könnte einen schnellen Tod sterben, würde man auf staatliche Verordnung bei der Schulwahl verzichten und die Eltern entscheiden lassen.

Darin haben sie wohl recht, die hohen Herren. Sie täuschen sich nur, wenn sie meinen, durch Festhalten an staatlicher Schullaufbahnverodnung sei die Hauptschule noch zu retten. Die Eltern stimmen trotzdem mit den Füßen ab. Jahr für Jahr sinken die Übergangsquoten an die Hauptschule, im Kreis Calw in den letzten fünf Jahren von 34,9 auf 29,4 Prozent. Im Jahr 1991 waren es noch 42,2 Prozent. Notfalls wird gepaukt und Nachhilfe organisiert, um die Empfehlung fürs Gymnasium oder wenigstens für die Realschule zu schaffen. Warum ist das so?

An der schlechten Qualität der Hauptschulen liegt es nicht. Sie machen unter den gegebenen Umständen (Lehrermangel und zu große Klassen) ausgezeichnete Arbeit. Woran liegt es dann? Die Eltern wissen warum: Die Schule ist entscheidend für zukünftigen Berufs- und Teilhabechancen der Kinder. Und der Hauptschulabschluss bietet immer weniger Chancen. Dafür gibt es ein ganzes Bündel von Gründen. Zum Beispiel, dass viele Berufe heutzutage mehr Wissen und Kenntnisse erfordern als früher und daher die Anforderungen in der beruflichen Bildung gestiegen sind. Oder dass es einer von Haupt- zur Restschule verkommenen Schulform immer schwerer fällt, ihre Schülerinnen und Schüler ausreichend zu qualifizieren.

Letzten Samstag berichtete der Schwarzwälder Bote über den „Hauptschultag“ an der Großweilerschule in Calmbach. Der Hauptschultag ist eine der neuen Ideen zur Rettung der Hauptschule, wie sie beinahe im Tagestakt aus dem Hause des Kultusministers Rau kommen. Fakt ist aber, dass von den 34 Schulabgängern der Großweilerschule im Herbst nur 4 einen Ausbildungsplatz gefunden haben, 12 weitere wurden im Berufvorbereitungs- bzw. Berufseinstiegsjahr geparkt oder nahmen ein freiwilliges soziales Jahr auf sich. Der Rest blieb ohne Ausbildungsplatz und ohne weiteren Schulbesuch. Da liegt der Kern des Problems.

Anstatt an den Symptomen herumzukurieren und jeden Tag eine neue Sau durchs Dorf zu treiben, muss das Land den wirklichen Bildungsaufbruch wagen. Wir brauchen die umfassende Schulreform, die auf das neue Leitbild des integrativen und individuellen Förderns und Forderns der Kinder setzt und daraus die richtigen Konsequenzen für die Schulstruktur ableitet. Von oben verordnete Selektion der Kinder nach der vierten Klasse gehört nicht dazu.

Ganz herzlich
Dipper
Richard Dipper

 

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